Der Fahrradfachhandel 2017

VDZ Pressebericht März 2018

 

Wirtschaftliche Entwicklung
Die Umsatzentwicklung im Fahrradfachhandel war 2017 auf Grund
der immer noch starken Nachfrage nach hochwertigen E-Bikes
wieder positiv. Im ersten Halbjahr konnten die Vorjahresumsätze
(bei allerdings niedrigen Vorlagen aus dem Vorjahr) um bis zu 15%
gesteigert werden. Diese Entwicklung flachte im zweiten Halbjahr
zwar ab, zum Jahresende war aber immer noch ein Plus von ca. 7-8%
zu verzeichnen. Die verkauften Stückzahlen sind allerdings wieder
zurückgegangen und lagen um ca. 5% unter den Vorjahreszahlen,
wobei der Rückgang aufgrund der positiven Entwicklung bei E-Bikes
und hochwertigen MTB überkompensiert wurde. Die mittleren bis
gehobenen Preissegmente, die Domäne des Fachhandels, konnten
also auch im sportiven Bereich punkten. Positiv wirkte sich auch
aus, dass zunehmend hochwertige Räder über Leasing finanziert
werden.


Bei aller Begeisterung über das neue Wachstum bei den
Elektrorädern und den Anstieg der Durchschnittspreise
warnen allerdings Fachhändler davor, das „Normalrad“ auch
in den günstigeren Preislagen zu vernachlässigen und diesen
Produktbereich anderen Vertriebswegen zu überlassen. Aufgefallen
ist, dass die Kaufentscheidungen bei hochwertigen Rädern
langfristiger getroffen werden und damit weniger witterungsanfällig
sind als im preiswerteren Bereich der „Normalräder“, die oft erst
kurz vor der geplanten Nutzung gekauft werden.


Natürlich gab es wieder Abweichungen in der Entwicklung zwischen
den verschiedenen Betriebsgrößen im Fachhandel. Der Trend zu

größeren Anbietern hält an, vor allem, weil gerade beim Kauf von sehr hochwertigen Rädern größere
Unternehmen mit einem breiteren Angebot bevorzugt werden.


Die sich verschärfende Wettbewerbssituation hat die Rendite vieler Betriebe beeinträchtigt. Der
wachsende Umsatzanteil des Internet-Handels auch im Fahrradhandel hat den Preiswettbewerb
verschärft und die Markttransparenz für die Verbraucher erhöht. Das hat im Handel zu
Preiszugeständnissen geführt.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorjahresumsätze in 2017 zwar deutlich übertroffen
wurden, die Rendite der Handelsunternehmen sich aber zumindest nicht im erwarteten Ausmaß
verbessert hat. Dennoch muss die wirtschaftliche Lage des Fahrradfachhandels, gemessen an der
allgemeinen Entwicklung des stationären Einzelhandels als gut bezeichnet werden.


Service
Die nach wie vor hohe Akzeptanz des Fachhandels in der Branche ist auf den hohen Servicebedarf
zurückzuführen, den die Produkte auslösen. Kompetente Beratung, Produktpflege, Wartung,
Reparatur und Reklamationsbearbeitung haben nach wie vor einen hohen Stellenwert und erfordern
beim Handel hohe Investitionen in den Service, personell wie materiell.


Die im Service-Bereich vorhandenen Qualifizierungsangebote werden vom Handel wahrgenommen
und dienen der Profilierung im Markt. Eine TÜV-Zertifizierung des Werkstattbetriebs dient neben
dem Marketing der effektiven Abwicklung und Kontrolle der Service-Abteilung. Da auf Grund der
zunehmenden Technisierung die Inanspruchnahme der Services im Handel überproportional wächst
und damit auch seine Anteile am Gesamtumsatz, wird es immer wichtiger, hier auch ausreichende
Erlöse zu erzielen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Honorierung aller Leistungen. Die
Subventionierung der Werkstatt durch den Handel darf nicht mehr sein.


Die Akzeptanz des Kundenservices hängt von seiner Qualität und der schnellen und korrekten
Erledigung der Kundenwünsche ab, besonders auch bei Sonderwünschen und Reklamationen. Dazu
gehört auch eine ausreichende Ersatzteilverfügbarkeit, die nicht immer gegeben ist.


Die umfassende Zusammenarbeit aller Marktpartner auf diesem Sektor ist Voraussetzung für den
Erhalt des hohen Stellenwertes des Radfahrens und die weiter positive Entwicklung des Marktes.

Elektromobilität
Der steigende Absatz von E-Bikes unterschiedlichster Ausstattung und Preislagen war wieder die
Basis der guten Umsatzentwicklung im Jahr 2017.


Das Angebot an Elektrorädern – auch Spezialrädern – ist noch breiter geworden, die Qualität und
Ausstattung wurde verbessert. Es wurden neue Nutzergruppen angesprochen, auch im sportiven
Bereich.


Die erweiterten Absatzmöglichkeiten stellen aber auch zunehmende Anforderungen an die
Anbieter hinsichtlich der Verfügbarkeit der Produkte und der Services. Dem können die größeren
Unternehmen eher folgen, kleinere müssen ihr Heil in der Spezialisierung suchen, um das Programm
ihrer Partner umfassend präsentieren zu können.


Der Umsatzanteil der E-Bikes im Handel liegt inzwischen bei fast 27%.


Mengenmäßig erreichen E-Bikes einen Anteil von 19% vom Gesamtumsatz des Fahrradfachhandels.
Gestützt wird diese Entwicklung durch das breitere Angebot, die hochwertigere Ausstattung und die
zunehmende Akzeptanz im sportiven Bereich.


Die Durchschnittspreise im Fachhandel sind kontinuierlich gestiegen, von 2200 € im Jahr 2013 auf
inzwischen 2500 €.


Die technische „Halbwertzeit“ der Produkte ist auf Grund der ständigen Innovationen sehr kurz und
führt zu hohen Preisabschriften für vorjährige Ware. Da das Angebot umfassender geworden ist,
wird eine sorgfältige Einkaufsplanung und Bestandskontrolle immer wichtiger.


Online-Handel
Der Versandhandel über das Internet erzielt seit langem in Deutschland deutliche Umsatzzuwächse
und ist im vergangenen Jahr wieder um 11% auf knapp 59 Mrd. € gewachsen. In einigen
Handelsbranchen erreicht dieser Absatzkanal inzwischen Marktanteile in Höhe von 25%. Auch für
2018 erwartet der E-Commerce wieder Zuwächse von ca. 10%.


Vor allem in den strukturschwachen ländlichen Gebieten, in denen der stationäre Handel
weniger präsent ist, spielt der Internethandel eine überproportionale Rolle. Davon bleibt auch
der Fahrradhandel nicht unberührt. Hinzu kommt allerdings auch, dass immer mehr stationäre

Fahrradhändler im Internet präsent sind.

E-Commerce ist nicht nur ein wachsender Absatzkanal im Fahrradhandel, sondern

für die Verbraucher ein wichtiges Informationsmedium. Deshalb kann der
stationäre Handel nicht auf einen effektiven Internetauftritt verzichten. Dabei benötigen vor allem
die kleineren und mittleren Unternehmen die Unterstützung ihrer Marktpartner und die ständige
Zusammenarbeit mit ihnen. Die Fahrradmarken selbst sind in der Regel im Internet präsent.


Fachberatung, Verkauf, Auslieferung und Service sind aufwändig und bleiben Aufgabe des
Fachhandels vor Ort, ohne dessen Leistungsangebot die Produkte der Branche erheblich entwertet
würden. Die Vernetzung der Onlinepräsentation der Hersteller mit dem stationären Fachhandel
liegt deshalb nahe. Die Möglichkeiten der Digitalisierung sollten nach Auffassung des Handels von
allen Akteuren am Markt schnell und konsequent genutzt werden. Bei der Abstimmung der Systeme
zwischen dem Handel und den Herstellern sieht der Handel noch Verbesserungsmöglichkeiten.


Im Zubehör- und Teilebereich führen die über E-Commerce abgewickelten Umsätze zu Rückgängen
im stationären Handel. Das Netz sorgt zunehmend für eine bessere Markttransparenz bei den
Käufern und Interessenten und verstärkt damit den Preis- und Angebotswettbewerb.


Fahrrad-Leasing
Die steuerliche Behandlung von „Diensträdern“ im Wege der „Gehaltsumwandlung“ hat die
berufliche Nutzung von Fahrrädern sehr gefördert. Dieses Geschäft ist allerdings nicht ganz
unproblematisch auch im Hinblick auf die Verfügbarkeit der gewünschten Produkte. Zudem hat der
Verkauf von Diensträdern einen langen organisatorischen Vorlauf. Viele Arbeitgeber sind zwar bereit,
über Leasing-Verträge den Mitarbeitern den Kauf von Rädern zu ermöglichen, möchten jedoch den
damit verbundenen bürokratischen Aufwand nicht selbst erbringen. Der Händler muss deshalb als
Vertragspartner für die Dauer des Leasingvertrages einen „Rundum-Service“ einschließlich Wartung
und Versicherung übernehmen.

 

Entwicklungstrends im Fahrradfachhandel


Fahrräder – ohne E-Bikes
                                                • nach Wert 9% Minus zum Vorjahr
                                                • nach Stückzahlen 10% Minus zum Vorjahr
E-Bikes
                                                • nach Wert 25% Plus zum Vorjahr
                                                • nach Stückzahlen 22% Plus zum Vorjahr


Zusammen
                                                • nach Wert 7% Plus zum Vorjahr
                                                • nach Stückzahlen 5% Minus zum Vorjahr


Bekleidung/ Helme, Zubehör
                                                • nach Wert 2% Minus zum Vorjahr


Ersatzteile/ Werkstatt
                                                • 8% Plus zum Vorjahr

 

 

Zusammenfassung
                                      • Der Fahrradmarkt in Deutschland hat auch in 2017 wieder eine positive
                                         Umsatzentwicklung genommen, getragen von den Zuwächsen bei den
                                         Elektrorädern.


                                      • Die Nachfrage nach gutem Service wächst und stützt die starke Position des
                                         Fachhandels.


                                      • Der Marktanteil des E-Commerce nimmt auch im Fahrradmarkt zu.


                                      • Die Stückzahl der verkauften Räder lag zwar um ca. 5% unter der
                                         Vorjahreszahl, der Umsatz im Handel ist dennoch um ca. 7% gewachsen.

 

Statistische Daten Fahrradbranche gesamt


Bestand Fahrräder in Deutschland                                         73,5 Mio. Stck.


Jährlicher Umsatz Fahrräder + E-Bikes                                     2,7 Mrd. €
                                                                                                = ca. 3,85 Mio. St.


Zubehör, Textilien, Ersatzteile, Service                                     2,7 Mrd. €


Gesamtumsatz Fahrradbranche                                               5,4 Mrd. €


Marktanteil Fachhandel/Fachmärkte                            in Stck. 68 Prozent
                                                                                    in Euro 80 Prozent


Umsatzanteil E-Bikes                                                   in Stck. 19 Prozent
                                                                                    in Euro 27 Prozent


Durchschnittserlös E-Bikes                                          2.300 €

 

Die Presse-Mitteilung des VDZ finden Sie hier!

Die Präsentation anlässlich des heutigen Pressegesprächs des VDZ und des ZIV

in Berlin können Sie hier downloaden!

 

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