Einzelhandel: Jeder zweite Euro bargeldlos

Die Umsatzanteile von Bargeld sinken und das Bezahlen per Karte wird immer beliebter. So konnte der kartengestützte
Umsatz in Deutschland, nach einem stetigen Wachstum in den vergangenen Jahren, auch 2017 ein deutliches Plus
erzielen.
Stärkster Umsatztreiber ist dabei die girocard – auch in der vom Kunden sehr gut angenommenen kontaktlos Variante
–, die weiterhin ein starkes Wachstum verzeichnet. Mit Bargeld wird aktuell nur noch jeder zweite Euro im
deutschen Einzelhandel umgesetzt. Nach Einschätzung der Händler wird die Barzahlung dennoch auch in den kommenden
fünf Jahren insbesondere die Zahlungen von Kleinst- und Kleinbeträgen dominieren. Hinsichtlich Investitionen
in die Payment-Infrastruktur ist der Handel aktuell sehr verhalten und wartet allem Anschein nach auf
marktfähige mobile Bezahllösungen. Auch Instant Payments gilt dabei als Hoffnungsträger. Dies ergab die EHI-Studie
„Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2018“, deren vollständige Ergebnisse Zahlungsexperte Horst
Rüter auf dem EHI Kartenkongress in Bonn vorstellte.
Erneut verzeichnet der Anteil kartengestützter Umsätze ein deutliches Wachstum um 9,8 Mrd. Euro auf 196,8 Mrd.
Euro. Das entspricht einem Anteil von 46,9 Prozent (Vorjahr 45,6 Prozent) am Gesamtumsatz der Einzelhandelsgeschäfte
in Höhe von 420 Mrd. Euro. Bereits im Vorjahr hat sich das girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft
als stärkster Wachstumstreiber des kartengestützten Bezahlens etabliert. Auch 2017 ist der Umsatzanteil der girocard
weiter deutlich gestiegen. Durch ein Umsatzplus von 9,4 Mrd. Euro auf 110,3 Mrd. Euro liegt der Anteil der girocard
bei mehr als einem Viertel (26,3 Prozent). Begünstigt wird der Erfolg des Verfahrens durch den technologischen
Fortschritt, der in erster Linie in der Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens liegt. Girocard kontaktlos wird aktuell
bereits von mehr als der Hälfte (56,3 Prozent) der Händler akzeptiert. Im Vorjahr waren es erst 7 Prozent der Händler.
Bis Ende dieses Jahres werden drei Viertel der großen Handelsunternehmen in Deutschland das kontaktlose
Bezahlen eingeführt haben. Kreditkartenzahlungen haben eine Steigerung um 0,4 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent
Umsatzanteil erreicht. Durch die stetige Erhöhung diverser Zusatzgebühren (sog. Card-Scheme-fees) für MasterCard
und Visa wird der erreichte Einspareffekt der EU-weiten Interchange-Deckelung allerdings abgeschwächt, wodurch

die Akzeptanz von Kreditkartenzahlungen im Handel gehemmt wird. Das girocard-Verfahren bleibt für die Händler
schlichtweg das günstigere Zahlungsmittel. Neben dem Bargeld verliert auch das unterschriftenbasierte SEPA-Lastschriftverfahren
weiter Anteile und sinkt um 0,8 Prozentpunkte auf 12,6 Prozent.
Die Bereitschaft der Händler für Investitionen in ihre Payment-Infrastruktur ist derzeit auf dem niedrigsten Niveau
seit Beginn der EHI-Erhebungen zu diesem Thema. Von den großen Handelsunternehmen planen zurzeit nur noch
33,8 Prozent (Vorjahr 47,2 Prozent) zu investieren. Grund für die Zurückhaltung im Handel sind fehlende Perspektiven.
So scheinen die Händler auf marktfähige mobile Payment-Lösungen zu warten. Auch Instant Payments
wird aufgrund der hohen Sicherheit und Liquidität als Hoffnungsträger gesehen. Auch wenn der Umsatzanteil der
Barzahlungen weiter gesunken ist, heißt dies nicht, dass die Kunden bald nur noch Karten im Geldbeutel mit sich
führen. Bargeld bleibt das beliebteste Zahlungsmittel deutscher Kunden. So werden noch 77,2 Prozent der Einkäufe
bar bezahlt (Vorjahr 77,9 Prozent). Vor allem bei kleinen Einkaufsbeträgen kommen bevorzugt Münzen und Scheine
zum Einsatz. Aus Sicht der befragten Händler wird Bargeld auch in den kommenden fünf Jahren bei Beträgen unter
30 Euro die dominierende Zahlungsart bleiben, auch wenn der Transaktionsanteil sukzessive sinkt. Bei Beträgen
über 30 Euro messen die Befragten dem Bargeld für die Zukunft keine größere Bedeutung mehr zu. Stattdessen
sehen sie die girocard, ob kontaktbehaftet, kontaktlos oder mobil, an erster Stelle der dominierenden Zahlungsarten
der nächsten Jahre. Für Beträge unter 30 Euro wird die girocard nach Meinung der Händler zumindest die
zweitwichtigste Zahlungsart sein. Daran zeigt sich, dass uns mit dem girocard-Verfahren hierzulande ein sehr leistungsstarkes
nationales Zahlungsmittel zur Verfügung steht.

Mitglied werden

Newsletter & Magazine

 

Kontakt