Presseerklärung

Branchengespräch zur EUROBIKE in Friedrichshafen am 30.08.2011

1.    Überblick

Die Unternehmen des Fahrradeinzelhandels erzielten in 2010 einen Umsatz von rd. 3,2 Mrd. EUR. Die Umsätze verteilen sich mit ca. 53 % auf Fahrräder und ca. 47 % auf Fahrradzubehör und Service.

Der Marktanteil des traditionellen Fachhandels liegt wertmäßig bei 76 %. Der mengenmäßige Absatzanteil des Fachhandels liegt bei 69 %.

Diese Anteile konnten gegenüber dem Vorjahr sogar noch leicht gesteigert werden.

Der Durchschnittspreis bei Fahrrädern ist von 446 EUR im Jahr 2009 auf 460 EUR im Jahr 2010 gestiegen.

Diese Entwicklung ist einmal auf die positive Entwicklung im Segment der E-Bikes zurückzuführen, zeigt aber auch, dass der Kunde immer mehr auf Qualität achtet und auch bereit ist, hierfür mehr Geld auszugeben.

2. Umsatzsituation 2010

Der Fahrradhandel konnte nach einem sehr guten Verlauf des Jahres 2009 im Jahr 2010 den Vorjahresumsatz nicht erreichen. Nach einem Umsatzzuwachs von nominal 6 % in 2009 musste im letzten Jahr ein nominaler Umsatzverlust von 2 % hingenommen werden.

Die Branchenentwicklung im Fahrradeinzelhandel ist jedoch wesentlich positiver zu beurteilen als die des gesamten Einzelhandels, da die Vorgaben aus 2009 für den gesamten Einzelhandel durch einen Umsatzrückgang von ca. 2 % gekennzeichnet waren und in 2010 ein Umsatzzuwachs von nominal 1,8 % erzielt wurde. Der Zweiradhandel hatte also deutlich höhere Vorlagen.

3. Aktuelle Umsatzsituation

Die Umsätze des Einzelhandels befinden sich seit mehreren Jahren in einer „Seitwärtsbewegung“, weil die Verbrauchsausgaben der deutschen Bevölkerung immer stärker in den Dienstleistungsbereich abwandern und die realen Einkommen vieler Verbraucher kaum noch gewachsen sind.

Demgegenüber kann der Fahrradeinzelhandel immer noch auf einen positiven Trend setzen.

Der Verkehr auf der „Kurzstrecke“ verlagert sich zunehmend – auch aus Kostengründen - auf das Fahrrad und auch das Freizeitradeln wird immer beliebter.

Der Konjunkturverlauf im Zweiradhandel wird aber nach wie vor stark von der Witterung vor allem im Frühsommer bestimmt. Deshalb hatte der Fahrradhandel in diesem Jahr – eben witterungsbedingt - einen sehr guten Start und konnte bis in den Juni hinein auf ein stattliches plus von vielfach mehr als 10 % verweisen.

Danach hat aber das regnerische und kalte Wetter in den Monaten Juni, Juli und August herbe Umsatzeinbrüche gebracht, so dass die guten Vorgaben aus den ersten Monaten der Saison weitgehend aufgezehrt sind. Der Monat Juli war besonders enttäuschend.

Natürlich gibt es nach wie vor sehr unterschiedliche Firmenkonjunkturen, die vom Wettbewerbsverhalten und von den örtlichen Standortbedingungen geprägt sind.

Auch regional gibt es deutlichere Unterschiede, als sonst. So ist offensichtlich die Entwicklung der Zweiradumsätze im Osten und Süden Deutschlands in diesem Jahr unterdurchschnittlich gewesen.

Aufgelaufen und kumuliert stellt sich die Situation so dar, dass bei den

  •  klassischen Fahrrädern ein Umsatzminus von ca. 10% zu verzeichnen ist,
  •  Zubehör, Kleidung und Werkstatterlöse liegen knapp unter dem Vorjahresniveau (ca. Minus 5 %)
  •  E-Bikes verzeichnen nach wie vor deutliche Zuwächse. Nach den Erkenntnissen des VDZ ist davon auszugehen, dass die für den Bereich der elektrisch angetriebenen Fahrräder prognostizierten Verkaufsstückzahlen von ca. 300 Tausend Stück in 2011 erreicht werden können.

Zusammengefasst bedeutet das:

Durch die deutlich höheren Preislagen bei den E–Bikes liegt das Umsatzergebnis des Fachhandels in Euro gemessen im bisher abgelaufenen Jahr auf Vorjahresniveau.

Die Verkaufsstückzahlen sind jedoch auf Grund der Einbrüche in den Monaten Juni, Juli und August rückläufig.

4.1. E-Bikes

Das große Thema in der Zweiradwirtschaft ist auch vor dem Hintergrund der politischen Rahmenbedingungen (Nationaler Entwicklungsplan der Bundesregierung für Elektromobilität) und der rasanten Umsatzentwicklung dieses Sortimentsbereichs das E-Bike.

Die Produktpalette in diesem Sektor weitet sich ständig weiter aus, immer mehr Hersteller mit immer mehr Modellen kommen auf den Markt und das Verbraucherinteresse nimmt deutlich zu mit der Folge, dass auch die Medien sich stärker mit diesem Thema befassen.

Dieser positive, die Branche stützende Trend bedarf großer Aufmerksamkeit, weil damit auch hohe kaufmännische, wie technische Anforderungen an Hersteller und Handel gestellt sind, die erfüllt werden müssen um das Vertrauen der Verbraucher zu rechtfertigen und zu erhalten. Das Produkt „Fahrrad“ wird mit den E-Bikes aufwändiger (nicht nur teurer) und die Qualität der Beratung und Information der Kunden beim Verkauf wie auch der Betreuung nach dem Kauf (Wartung!) wird darüber entscheiden, ob aus dem derzeit von der Branche so begrüßten Trend eine dauerhafte Entwicklung wird.

Der Fahrradhandel geht davon aus, dass bei den E-Bikes weiter mit technischen Innovationen zu rechnen ist, die zwar auf reges Interesse stoßen und den Markt in Bewegung halten, aber auch hohe Anforderungen an alle Beteiligten stellen. Wer hier auf Dauer erfolgreich agieren will, muss sich laufend weiterbilden und auch im Werkstattbereich die für dieses Segment erforderlichen Einrichtungen vorhalten.

Der aufwändige Service der Fachbetriebe schafft aber auch Möglichkeiten der Kundenbindung und kann ein wirksames Gegenmittel gegen den vom Fachhandel vielfach beklagten “Beratungsklau“ sein.

Niedrigpreisprodukte, die zu Lasten der Qualität bereits angeboten werden, lehnt der Fachhandel ab, weil schon aus Sicherheitsgründen an fast alle Komponenten des E-Bikes hohe Anforderungen gestellt werden müssen.

Zudem ist damit zu rechnen, dass neue Anbieter vor allem aus dem KFZ- und Motorradbereich sich der elektrisch betriebenen „Einspurfahrzeuge“ stärker annehmen werden und dem Fahrradhandel Konkurrenz machen.

Der Fahrradhandel hat nach Auffassung des VDZ gegenüber anderen Vertriebs-formen  jedoch einige Vorteile, weil er nicht nur einen „Erfahrungsvorsprung“ in diesem Segment hat, sondern auch mit der Mentalität der Radfahrer vertraut ist. Er wird durch guten und großzügigen Service dafür Sorge tragen müssen, dass die Kundenzufriedenheit mit dem Produkt „E-Bike“ und seinen Partnern im Fachhandel hoch bleibt.

4.2. Betriebswirtschaftliche Auswirkungen

Die bereits in diesem Jahr feststellbare Umsatzverlagerung zu den E- bikes hat für den Handel auch betriebswirtschaftliche Auswirkungen.

  • Die Handelsspanne ist durch den größeren Umsatzanteil der hochpreisigeren Elektrofahrräder, die knapper kalkuliert werden müssen, als klassische Fahrräder, gesunken.
  • Auch die häufig vom Käufer geforderte Inzahlungnahme von gebrauchten, oft noch nicht sehr lange genutzten Fahrrädern beim Kauf eines neuen E – bikes belastet  die Rentabilität des Fahrradhandels und führt außerdem zu einer höheren Kapitalbindung in den Unternehmen und einem rückläufigen Lagerumschlag mit allen hiermit verbundenen Risiken.
  • Die zunehmende Vielfalt der Produkte erfordert neben größeren Verkaufsräumen auch zusätzliche Investitionen in das Warenlager, die Werkstattausstattung und vor allem die Ausbildung der in diesem Sektor tätigen Personen.


Da die Warenbestände des Fachhandels sowohl durch die Umsatzrückgänge bei Fahrrädern wie auch die Rücknahme von „Gebrauchten“ deutlich angestiegen sind und die Innovationen des Marktes weitere Investitionen in das Warenlager des Handels erfordern, wird der Handel in seinem Einkaufsverhalten zielgerichtet agieren müssen und zunehmend auch auf kurzfristigere Nachbestellungen zurückgreifen wollen.

5. Politische Rahmenbedingungen der Zweiradwirtschaft

Der VDZ begrüßt die Bemühungen der Gebietskörperschaften, das Radwegenetz auszubauen, weil dies eine unabdingbare Voraussetzung für die Intensivierung der Radnutzung ist. Hier hat es in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gegeben, es gibt aber auch weiter noch viel zu tun.

Grundsätzlich vertritt der VDZ nach wie vor die Auffassung, dass von einzelnen Politikern immer wieder geforderte Reglementierungen für Radfahrer so gering wie möglich gehalten werden sollten.

Staatlich verordnete Rahmenbedingungen und Reglementierungen für Verkehrsteilnehmer und Radsportler machen nur Sinn, wenn sie auch beachtet werden und durchgesetzt werden können. Das Radfahren im Winter bei Dunkelheit mit oder ohne Licht spricht hier eine beredte Sprache.

  • Der VDZ hält nichts von der aus der EU geforderten Einführung einer „gelben Weste“ für Radfahrer, wie in Frankreich.
  • Auch eine gesetzlich verankerte „Helmpflicht für alle“ ist nach Auffassung des VDZ nicht geeignet, das Radfahren zu fördern.

Zweifellos ist das Tragen eines Helms allen Radlern nachhaltig zu empfehlen, aber auf freiwilliger Basis, hier sollte auch der Gesetzgeber auf die Vernunft der Bürger setzen.

6. Perspektiven

Die zunehmend hochwertiger werdenden Produkte der Branche und der hieraus resultierende hohe Bedarf an fachlich qualifizierter Dienstleistung wird auch künftig dafür sorgen, dass der Fachhandel im Fahrradmarkt - anders als in vielen anderen Einzelhandelsbranchen - einen überdurchschnittlich hohen Marktanteil halten kann.

Der Trend zu E-Bikes wird anhalten, zumal Qualität und Reichweite dieser Räder zunehmen und immer breitere Verbraucherkreise die Vorteile dieses Verkehrsmittels zu schätzen wissen. Die Produktlinien werden vielfältiger und finden immer unterschiedlichere Interessentenkreise.

Die Anlagen zum Pressegespräch können Sie hier herunterladen:

Kontakt:
VDZ
Verband des Deutschen Zweiradhandels e.V.
Thomas Kunz, Geschäftsführer
Tel.:       0521-965 10 0
Fax:       0521-965 10 20
Mail:      Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Web:     www.vdz2rad.de

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